Sich einstimmen - geht das?

Dies werde ich oft in meinen Coachings und Seminaren gefragt. Als Antwort stell ich gern folgende Frage, während ich mein Cello in die Hand nehme: „Was tun Musiker*innen bevor sie anfangen zu üben und zu spielen?“


Die Teilnehmer*innen antworten: „Die Instrumente stimmen!“ „Genau. Und wenn nicht vorher gestimmt wird, können sich Musiker*innen danach noch so sehr bemühen; die Musik klingt unrein, nicht gut! Ist es ein simples Lied, kann vielleicht noch ausgeglichen werden. Wird aber ein anspruchsvolles Werk gespielt, ist dies unmöglich.“


Der Kammerton a1 liegt je nach Musikstil, Land oder Instrumentenart tiefer oder höher. Bevor musiziert wird, ist die genaue Höhe des gemeinsamen Kammerton in einem Orchester festzulegen (siehe a1 = 440 Hertz).


Ich erlebe es im Leben nicht anders als in der Musik. Je komplexer Lebenssituationen sind, umso wichtiger und hilfreicher ist es, dass eine passende Grundstimmung gefunden, definiert und gelebt wird. In einem meiner letzten Workshops spürte ich nach dieser Einführung bei den Teilnehmer*innen eine große Zustimmung. Es war ein Verhandlungs-Team, das bei mir einen Workshop gebucht hatte, um die nächsten Verhandlungsrunden konstruktiver und schneller über die Bühne zu bringen.


Sie riefen: „Genau das ist unser Problem: Wir sind uns innerhalb des Verhandlungs-Teams nicht einig über den Kammerton! Wenn wir uns vorher einigen könnten, wären die Verhandlungen viel leichter und effizienter zu führen!“


Bei diesem Verhandlungsteams geht es nicht nur darum, dass sie sich über das angestrebte Ergebnis einig sind, sondern auch besonders darum, dass sie sich während der Verhandlungszeit untereinander loyal verhalten und gegenseitig verbindlich den Rücken stärken.


Eben wie beim Kammerton! Alle Musiker*innen eines Orchesters oder eines Ensembles halten sich an den zuvor vereinbarten Kammerton. Keine Musiker*in wird mitten in einem Konzert dem eigenen Instrument willentlich eine andere Stimmung geben. Passiert dies auf Grund von Veränderungen der Rahmenbedingungen, z. B. Temperatur oder Luftfeuchtigkeit, so wird sofort alles darangesetzt, das wieder auszugleichen.


Der grundsätzliche Kammerton kann mit folgenden Fragen auch im alltäglichen Leben geprüft werden:


1. Wie ist der Kammerton in der Partnerschaft? Sind wir abgestimmt?

2. Wie klingt der (Kammer)Ton in der Familie? Hat er sich geändert?

3. Wie tönt er im beruflichen Umfeld? Wer definiert dort die grundsätzliche Stimmung?


Müsste da etwas neu aufeinander abgestimmt werden?


Dieses Cello wurde im Toten Meer einige Monate lang „gebadet". Nun ist es verstummt. Dafür glitzert es jetzt in salziger Schönheit!


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