Distance- Learning im Instrumentalunterricht

Wie kann das gehen?


Ich fasse hier für dich einige Themen und Erkenntnisse zusammen, die ich seit März 2020 gesammelt habe. Es sind Ergebnisse aus den Einzelcoachings und den Gesprächen mit MusikerInnen und aus den Weiterbildungen an Musikschulen und mit Orchestern. Einige Infos und Überlegungen habe ich beim Symposium der DGFMM 2020 und in unseren regelmäßigen Treffen in der Arbeitsgruppe Musikpsychologie und Coaching der ÖGFMM (Österreichische Gesellschaft für Musik und Medizin) gesammelt.


Zuerst möchte ich betonen, dass ich in keiner Weise das Distance-Learning schönreden oder gutheißen möchte. Ich möchte mit diesem Artikel die MusikerInnen unterstützen, trotzdem eine gute Unterrichtszeit gestalten zu können. Schließlich wissen wir nicht, wie oft das Spiel mit den Corona-Maßnahmen noch durchgeführt werden wird.


1. Unterscheidung: Berufspolitischem Engagement und Selbstfürsorge für das eigene Unterrichten

2. Was geht gut und was geht nicht gut im Distance-Learning?

3. Das Unterrichtsjahr gliedern in Präsenz- und in Distance-Learning


In diesem Blog geht es um das Thema 1. Thema 2 und 3 folgen in den nächsten Blogs.


1. Unterscheidung: Berufspolitischem Engagement und Selbstfürsorge für das eigene Unterrichten

Überlege dir, ob du dich berufspolitisch engagieren möchtest, damit das Distance-Learning nicht automatisch jeweils mit den Schulen zusammen umgesetzt werden muss. Schließlich macht es einen Unterschied, ob 20 oder 2 Personen in einem Unterrichtsraum sind und welche Instrumente unterrichtet werden etc. Auf folgender Seite gibt es aktuelle Studien zu

den Ansteckungsrisiken bei den unterschiedlichen Instrumenten/Gesang und Empfehlungen in Bezug auf Abstand, Lüften etc.

https://www.mh-freiburg.de/hochschule/covid-19-corona/risikoeinschaetzung

https://dgfmm.org/


Es wird in Zukunft MusikerInnen brauchen die darauf achten, dass nicht durch die Hintertüre Distance-Learning verordnet wird, weil es ja eh so gut geht und weil man damit Fahrkosten und Raummieten sparen kann. Und weil es so praktisch für die Eltern ist und vieles mehr. Ich möchte keine Befürchtungen wecken. Aber ich denke es gibt genug Gründe, um jetzt wachsam zu sein, damit es nicht durch die Hintertüre so weit kommt. Ich hoffe, dass vor allem auch die KOMU (Österreichische Konferenz der Musikschulen) jetzt in der Beziehung umsichtig agiert und nichts verschläft.


Egal ob du dich berufspolitisch engagieren möchtest, trenne es auf jeden Fall von deiner eigenen Unterrichtsgestaltung!

Im Sinne deiner Selbstfürsorge gestalte das Unterrichten auf Distanz so angenehm und konstruktiv, wie es nur irgendwie geht.

Und gewöhne es dir an, klar und deutlich sowohl zu der Leitung deiner Musikschule als auch zu den Eltern zu kommunizieren, was gut geht, und was gar nicht geht. Kläre auf, wo die Grenzen zu einem sinnvollen Musikunterricht sind. Oder wie eine Cellistin der Musikschule Wien sagt:


„Das Wichtigste, um was es im Cellounterricht geht, nämlich MUSIK MACHEN, das ist im Distance-Learning nicht möglich!“


Ich erwähne diese Unterscheidung hier, weil ich MusikerInnen getroffen habe die gesagt haben, sie hätten extra z. B. die Technik nicht aufgerüstet, damit später die Leitung nicht sagen könne, es funktioniere eh alles toll. Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Die meisten Musikschulen- es gibt Ausnahmen- haben ihre MusiklehrerInnen mit der Übertragungstechnik und -methodik alleine gelassen.

Der erste Lock-Down ist ohne Vorbereitung gekommen. Da war es klar, dass einfach mal improvisiert werden musste. Damals hatte man ja auch die Hoffnung, dass bald alles wieder beim Alten sein wird und es sich nur um einen kurzen Spuk handelt. Die Ansprüche an die Unterrichts- Qualität waren im März daher nicht so hoch. Schön war, wenn es Online-Unterricht gab. Wenn nicht, dann war dies an den meisten Orten auch ok.


Das ist jetzt beim zweiten Lock-Down schon ganz anders. Jetzt wird mit einer Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, dass der Online-Unterricht wunderbar funktioniert. Während sich die einen MusiklehrerInnen schon mit einer gewissen Routine, sie haben ja im Frühling schon Erfahrungen gesammelt, wieder auf den Unterricht einlassen, fühlten sich andere MusikerInnen dieses Mal viel mehr unter Druck. Weil es jetzt vorausgesetzt wird, dass er funktioniert.

Der zweite Lock-Down war vorhersehbar. Wie wurden die LehrerInnen von Seite der Musikschulen unterstützt?


Wie viele Lock-Downs werden noch kommen? Es gibt noch viele Viren auf der Welt...


Was spricht nun trotzdem dafür, dass du dir eine gute Technik anschaffst? Es ist viel anstrengender und für das Gehör viel belastender, wenn die Technik schlecht ist. Wäge also ab, ob du dir zuliebe nicht doch auf eigene Kosten das Internet, den Computer und das Mikro aufrüstest. Ein besseres Internet und ein gutes Mikro kostet nicht viel.


Übrigens gibt es an den Musikschulen Betriebsräte die aktiv werden können, damit dafür auch hinterher einen Beitrag von Seite der Musikschule geleistet werden kann.


„Aber es nützt nichts, wenn die andere Seite keine gute Technik hat.“

Ja das stimmt. Was tun?

Zum einen ist es trotzdem schon eine 50 prozentige Verbesserung, wenn deine Seite gut ausgerüstet ist.

Zum andere darfst du die Eltern bitten, auch auf ihrer Seite für die bestmögliche Technik zu sorgen. Vielleicht darf das Kind für den Unterricht den Büro-Computer der Eltern benutzen? Oder die Eltern besorgen sich ein gutes Mikro/Kopfhörer? Mikros kosten heute nicht mehr viel.

Kann der Schüler/die Schülerin während dem Online-Unterricht in der Nähe vom Rooter sitzen? Da ist das Internet generell stabiler.

Ich wünsche dir trotz oder sogar dank den Corona-Maßnahmen eine schöne Vorweihnachtszeit!

Salzburg/Wien 15.12.2020

Angela Büche


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